Was wäre, wenn es keine Hierarchien gäbe?

Was wäre, wenn… wir alle Hierarchien abschaffen würden?

Jeden Montag beschäftigen wir uns mit einer grundsätzlichen Frage. Höchst hypothetisch, suggestiv und meinungsmachend. Dieses Mal lautet sie: Was wäre, wenn wir Hierarchien abschaffen würden?

Für die meisten Menschen auf dieser Welt ist das Leben ein Kampf – ein Überlebenskampf. Jeden Tag sind sie Mächten ausgesetzt, die sie weder sehen, noch beeinflussen, geschweige denn bekämpfen können. Sie sind abhängig von dem was irgendwo in der Welt, weit weg von ihnen entschieden und verfügt wird. Haben sie Glück, wird es ihnen helfen (zumindest für eine gewisse Zeit), haben sie Pech, werden sie ausgebeutet, werden Hunger leiden, heimatlos oder sich sogar in Kriegen verheizen lassen müssen. Ganz so, wie es jemand anders für sie vorsieht.

Der Mensch ist nie und an keiner Stelle ein Gleicher unter Gleichen. Das sieht die Welt, so scheint es, nicht vor. Es ist ein wenig so, wie bei George Orwells „Farm der Tiere“, in der am Ende alle Tiere gleich – aber manche eben gleicher sind als andere. Und warum? Warum gibt es ein Prinzip, dass auf dem gesamten Planeten Unterschiede zwischen Menschen schafft, manche zu Unterdrückten und andere zu Unterdrückern macht?

Animal Farm – Aufstand der Tiere

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Die Sorgen, mit deren Last sich der Bevorzugte gegenüber dem Unterdrückten entschuldigt, sind eben die Sorgen um Erhaltung der Bevorzugung. (Franz Kafka)

Ganz einfach, weil wir unsere Gesellschaften, unsere Familien, unsere Unternehmen, unsere Organisationen, unsere Welt und unser Leben in Hierarchien unterteilt haben.

Doch muss das eigentlich sein? Ist das wirklich der beste Weg, um menschliches Miteinander zu organisieren? Was gibt manchen das Recht, andere Menschen derart zu dominieren? Was sind die Konsequenzen dieses Systems für jeden einzelnen? Und was wäre, ja, was wäre eigentlich, wenn wir diese Hierarchien abschaffen würden? Das ist heute unser Thema.

Oben und unten – die Welt zwischen Himmel und Hölle

Wenn man sich unsere Welt mal anschaut und im Kleinen beginnt, bei den Familien, so empfinden wir nichts Ungewöhnliches, nicht Unnatürliches dabei, dass diese hierarchisch organisiert sind: Da gibt es die Eltern, die (in der Regel) sagen wo es lang geht. Und es gibt die Kinder, die ihnen folgen – zumindest anfangs. Und das ist auch gut so, denn woher soll ein Kleinkind denn wissen, wo die Gefahren des Lebens lauern?

Oder im Tierreich: Wir beobachten ein Rudel Wölfe, eine Gruppe Schimpansen, Löwen, Tiger, Bären – überall, gibt es ein ausgeprägtes hierarchisches Prinzip. Und wenn der Anführer einer solchen Gruppe mit der größten Erfahrung aufwarten kann, der stärkste ist, oder auch nur am lautesten brüllen kann, so geht das schon in Ordnung. Bei Vogel- und Fischschwärmen, oder einem Ameisenhaufen sieht das schon anders aus. Hier ist das Zusammenspiel zwischen Individuum und Gemeinschaft wechselhafter, fügen sich viele Einzelne zu einem Gesamtwesen zusammen und profitieren davon. Auch ein Modell, das seit Jahrtausenden funktioniert. Der Schwarm.

Trotzdem sagen wir uns: Wenn Hierarchien in der Tierwelt so gut funktionieren, dann können sie uns als Vorbild dienen. Groß und Klein. Stark und schwach. Fressen und gefressen werden… Das ist eben der Lauf der Dinge. Die natürliche Ordnung. Und wir meckern kaum, wenn dieses Prinzip die Grenze der Wildnis verlässt, halten zumeist still, wenn sie in Ungerechtigkeit oder sogar Unterdrückung des Individuums, großer Gruppen oder ganzer Völker einmündet.

Was ist Globalisierung?

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Ein Machtmodell

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Unsere persönliche Welt liegt eben irgendwo zwischen dem Oben und Unten, das wir kennen, uns zumindest irgendwie vorstellen können. Dort oben, irgendwo, der Himmel als Verheißung und tief unten, irgendwo anders, die Hölle als Abbild des Versagens und der Strafe. Also akzeptieren wir, dass alle Organisationen, die wir bilden, hierarchisch gegliedert sind – Staatengemeinschaften, Behörden, Unternehmen, Ausbildungseinrichtungen, bis hin zu religiösen Institutionen. Und irgendwie vertrauen wir darauf, dass diejenigen, die hier weiter oben stehen, es schon mit denen unten gut meinen. Sich der Himmel uns irgendwie öffnen wird.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. (Immanuel Kant)

Und weil – wenn wir anstandslos folgen, nicht mucken und das Prinzip, das unser Leben bestimmt nicht anfechten – uns der Himmel versprochen wird, der Aufstieg, die Karriere, machen wir mit, tun was uns geheißen und sorgen sogar mit unserem Handeln dafür, dass das Gebilde, die Pyramide, so bleibt wie sie ist. Doch obwohl wir mit ansehen, dass die Hierarchien in letzter Konsequenz für gewöhnlich weder gerecht nach Innen, noch nach Außen agieren, bleiben wir dabei – denn irgendwann wird uns der Strahl des Himmels schon erreichen, uns wärmen und für unsere Mühe belohnen.

Was der Konsum mit uns macht

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Wie funktioniert so eine Hierarchie?

Um sich so ein Gebilde vorzustellen, beispielsweise ein Unternehmen, oder eine staatliche Einrichtung, eine Kircheninstitution, eine Partei oder was auch immer, ist eine Pyramide ein sehr anschauliches Bild: Unten, dort stehen diejenigen, die zahlenmäßig zwar weit überwiegen, aber im Grunde nichts weiter zu tun haben, als gefügig zu sein und das gesamte Gebäude zu stützen – das >>Fußvolk<<. Darüber, Stufe für Stufe, diejenigen, die sich hoch gearbeitet haben, aufgestiegen sind – oder aber gleich ein paar Etagen höher abgesetzt wurden. Je höher wir schauen, desto enger wird es, desto weniger Menschen haben in dem Gebilde Platz. Was aber braucht es, damit das Prinzip funktioniert: Das Zauberwort lautet Konkurrenz.

Volkswirtschaftslehre – Markt und Hierarchie in der Volkswirtschaftslehre

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Was nach Kooperation aussieht, schafft massive Konkurrenz unter den Beteiligten. Ohne Konkurrenz wäre eine Hierarchie undenkbar. Oder gibt es ein Beispiel für eine solche Pyramide, die ohne Konkurrenz funktioniert? Stets stehen die Menschen, auf den meisten Stufen, in Konkurrenz zueinander. Ob in einem Unternehmen, wo der Mitarbeiter versucht, sich an seinem Platz zu behaupten und, wenn nötig, andere zu überrunden, vielleicht sogar aus der Bahn zu werfen. Ob in einer Partei, wo auf dem Weg zu Macht und Ehre auch nicht auf Konkurrenzkämpfe verzichtet wird. Wir nennen es euphemistisch >>Wettbewerb<<. Dass hat was von Schönheitswettbewerb, Spaß und Unterhaltung. Doch es handelt sich um beinharte Konkurrenz, in die uns Hierarchien treiben.

Und wenn wir unsere Gesellschaft als Ganzes betrachten erkennen wir schnell: Auch hier lauert die Konkurrenz an jeder Ecke, gilt das Prinzip >>Setze Dich durch – gegen andere<<. Denn nur die >>Besten<< schaffen den Weg in den Garten der Verheißung, verschaffen sich die vermeintliche Freiheit durch den Wohlstand, mit dem er gelockt wird.

Was aber, wenn wir das Prinzip noch näher betrachten? Was, wenn wir uns fragen, welche Eigenschaften ein Mensch benötigt, um in einer Hierarchie aufzusteigen, in einer konkurrierenden Situation zu überdauern, zu gewinnen? In einer Gesellschaft des Wettbewerbs zu leben? Wie verändert es ihn, auf seinem Weg nach >>oben<<? Welche Eigenschaften werden belohnt und wie wirkt sich dies auf seine Charakterbildung aus?

Die Hierarchie der Unfähigen oder das Peter-Prinzip

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Der Verdacht liegt nahe, dass in allen hierarchischen Gebilden nicht diejenigen nach oben gelangen, die sich selbst zurückstellen. Die den kooperativen Geist und das Miteinander unter Gleichwertigen pflegen. Nein, um das System, das einen nährt zu füttern und zu stützen, müssen wir hierarchisch handeln, wir müssen nach unten leiten, führen, anweisen und  Untergebene in der Bahn halten; und wir müssen zugleich den Vorgesetzten (was für ein passender Name) gefallen, sie mit Ergebnissen befriedigen, willfährig sein, zumeist opportun und weniger loyal.

Nur so bleibt sie erhalten, die Pyramide. Wenn das Machtgefüge stimmt, wenn das Gefüge aus Konkurrenz und Unterwerfung, aus Kampf und Gehorsam sich selbst austariert.

Wer lässt sich teilen und wer herrscht?

Der Spruch >>teile und herrsche<< ist nicht gerade eine Anleitung zur gerechten Verteilung von Ressourcen, sondern vielmehr ein höchst ungerechtes Prinzip, um einen Keil in mögliche Gruppen von Widersachern zu schlagen. Ob nun nach Innen, im internen Machtkampf einer Pyramide, oder nach Außen, in der Konkurrenz zu den Mitbewerbern, die einem ein Terrain streitig machen und uns so bedrohen.

Wir haben gelernt, dass Kooperation vielleicht gerade mal noch in der Familie, in der Liebe oder in der Freundschaft, in Notsituationen oder aber in kleinen Arbeitsgruppen gelingt, die nun mal zu funktionieren haben. Doch wir haben als Gesellschaft diesen Aspekt des Verteilens nicht wirklich integriert – schlichtweg, weil wir ihn nie richtig verstanden haben. Die Menschheit hat eine lange, schmerzhafte und äußerst törichte Geschichte endloser Kämpfe, die wir um Territorien, um Ressourcen, aber auch um Macht und Einflussnahme führen. Prima, kann man da sagen, dann machen wir es ja nicht anders als die Tiere. Doch was bitte sollte uns bei diesem Gedanken stutzig machen? Wir Menschen haben die Möglichkeit – technisch, organisatorisch und methodisch – unsere eigene Spezies in diesen Kämpfen auszulöschen. Das Tier nicht.

Fragen sie mal einen Affen, ob er im Kampf um sein Terrain, um Besitz, den Vorstand in seiner Sippe, um ein Weibchen auch bereit wäre, dafür Millionen von Affen auszulöschen oder ganze Landstriche zu verwüsten. Klar, er hat weder die Mittel, noch den intellektuellen Anspruch so etwas zu tun. Und wenn er diese hätte, dann wäre er ein Mensch. Das Tier, dass sich den Namen Mensch gab, und den gesamten Planeten unterwarf.

Nein, der Affe wäre zufrieden, wenn er seine Gruppe mit dem nötigsten versorgt bekommt, wenn er der King Lui im Urwald oder zumindest gegenüber seiner Angebeteten ist – und bleibt. Doch uns reicht das nicht. Bei uns läuft das anders. Wir sind gar nicht so weit weg von ihm, doch bei der Wahl unserer Mittel und unseren Forderungen an das Leben sind wir nicht gerade zimperlich.

Wir brauchen nur einen roten Knopf und jemanden der uns sagt, dass es gut sei ihn zu drücken. Wir brauchen eine Fahne und jemanden der uns sagt, es sei wichtig, sie zu schwingen. Wir brauchen nur ein Konto und jemanden der es füllt – dann sind wir zu jeder Schandtat bereit. Die Hierarchie nimmt uns, so scheint es, Verantwortung und Entscheidung ab.

Und was wäre, wenn es keine Hierarchien gäbe?

Tja, diese Frage hat es wieder mal in sich. Denn da, wo es keine Hierarchien gibt, da wird mit einem Mal die Stimme aller wichtig. Da, wo es keine Hierarchien, keine Pyramide gibt, liegt mit einem Mal kein Mühlstein mehr auf unserer Brust. Da wo es keine Hierarchien gibt, müssen wir uns nicht an Schutzbefohlenen versündigen, nur damit wir selbst möglichst viel vom Kuchen abbekommen. Da wo es keine Hierarchien gibt, bietet sich die Möglichkeit einer echten Kommunikation. Einer Kommunikation ohne Ängste, ohne Rollenspiele, ohne Machtgehabe, ohne Rücksicht auf die Interessen jener, die sich um uns nicht scheren.

Netzwerke und Hierarchie (Prof. Peter Kruse)

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Eigentlich haben wir über Jahrhunderte eine Tradition der Verhinderung der Vernetzung. Das Fördern der Vernetzen ist das Loslassen der Verhinderung. (Prof. Peter Kruse)

Wenn es keine Hierarchien gäbe, so denken viele, würde alles zusammenbrechen und aus den Fugen geraten. Was aber geschieht denn jetzt, wo wir Hierarchien haben? Warum geht es so vielen Menschen schlecht? Warum regiert die Angst, am Ende zu kurz zu geraten? Warum pervertiert unser Handeln und macht aus uns eine Gesellschaft von Menschen, die sich immer weniger Gerechtigkeit, Miteinander und Rücksicht meinen leisten zu können? Alles das ist trotz der Gebilde, trotz der Pyramiden oder besser noch genau wegen ihnen gegeben. Denn sie zwingen uns dazu, uns nicht mit- sondern gegeneinander zu verhalten. Allein deshalb sind sie außerstande die Probleme dauerhaft zu lösen, die wir eigentlich dringend lösen müssten.

Wenn es keine Hierarchien gäbe, keine daraus resultierende Konkurrenz, so könnten wir uns auf das Lösen genau der Probleme konzentrieren, die wir mit ihnen angehäuft haben. Längst gibt es Modelle, um Organisationsformen zu finden, in denen kooperativ agiert wird, hierarchielos, gemeinschaftlich. Doch was ihnen oft entgegen steht, ist der Wunsch des Individuums, andere zu dominieren – und ist das Gefüge, dass genau diese menschliche Neigung zur Philosophie erhebt.

Denn bei allem was uns erzählt wird, warum wir spuren, gehorchen, mitspielen und nicht aus der Reihe tanzen sollen… Es geht immer nur um eines: Um die Macht weniger. Dabei wäre die Aufgabe der Hierarchien nicht einmal gleichzusetzen mit der Aufgabe der Organisationen, in denen wir meinen unsere Welt organisieren zu müssen. Deren Daseinsberechtigung steht auf einem anderen Blatt. Nein, es wäre die Aufgabe eines Prinzips, wie diese Organisationen funktionieren sollen. Doch um sich von den Gebilden der Macht zu trennen, erfordert es Einsicht. Und der Mensch scheint nun mal, wider besseren Wissens, dazu nur schwer in der Lage.

Es gibt viel zu verlieren, aber noch mehr zu gewinnen

Auch wenn er weiß, dass seine Organisationsformen hochgradig destruktiv und Ressourcen fressend, das Individuum diskreditierend und am Ende eben ungerecht sind. Auch wenn er weiß, dass immer mehr Menschen daran zugrunde gehen, die Natur unwiderbringlich geschädigt wird und er sich selbst, als Spezies, in größte Gefahr bringt. Für eine Handvoll Krümel, für Besitz, für Macht und – ja leider – das Ausleben seiner niedersten Instinkte, ist er bereit, daran festzuhalten, hält er an der Machtpyramide fest.

Eine Aufgabe der zerstörerischen Hierarchien würde ein Vakuum schaffen, in das nur zu gern wieder Individuen eindringen, um ihre Macht zu etablieren. Dann unter einem anderen Namen, mit anderen Farben, aber zumeist mit denselben Versprechen und Attitüden. Die Geschichte zeigt nicht nur die Wiederholbarkeit des Prinzips, sondern vielmehr sogar, dass es nie anders war. Doch nun gibt es einen entschiedenen Unterschied. Und diesen haben wir in rund 150 Jahren bewirkt: Wir haben unseren Planeten so sehr geschädigt, industrialisiert und ausgeplündert, dass wir nicht die Wahl haben.

Wir können die Uhr nicht zurück drehen, nicht von vorne anfangen, sondern brauchen eine Lösung, die uns aus einem tödlichen Kreislauf befreit – dem Kreislauf der Zerstörung. Das haben auch die Letzten begriffen. Doch sie halten für die Krümel und irdischen Freuden an ihren Hierarchien und den damit verbundenen Privilegien fest.

Die Hierarchien abzuschaffen ist kein leichtes Unterfangen. Aber mit ihnen zu überleben, wird dagegen zu einem Spiel ohne Gewinner. Der einzige Weg, Millionen Menschen, Tieren, aber auch der Pflanzenwelt ihren Raum, ihr Recht auf Leben und Entfaltung zu bieten, sollte doch als Antrieb reichen. Mehr noch: Je mehr wir darüber nachdenken, desto mehr können wir erkennen, das genau in diesem Prinzip, der Hierarchie und dem Konkurrenzkampf alle Übel angelegt sind, die unsere Welt zu einem unerträglichen Ort für so viele Lebewesen machen. Diejenigen die in der Pyramide ein gedeihliches Leben führen hätten allein eine Aufgabe: Das Leben derer die Leiden zu linden. Ob wir das schaffen – organisatorisch, ethisches und ganz individuell – könnte am Ende darüber entscheiden, ob wir uns als Spezies auf diesem schönen Planeten noch halten werden.

Marek

Schon als kleiner Junge lief ich mit dem Bleistift herum und fragte die Menschen Löcher in den Bauch. Genauso stelle ich mir noch heute einen Reporter vor – wie einen Detektiv mit Schreibblock … Doch die Welt hat sich sehr verändert. Mehr denn je brauchen wir neue Erzählungen, neuen Mut, Gemeinschaften und Vorbilder. Als Medien- und Projektmacher, Journalist und Publizist berichte ich seit 30 Jahren über Themen, die mich bewegen: Demokratie, Technologie, Wirtschaft, Medien, Umwelt- und Tierschutz – motiviert vom Wunsch nach einer besseren Welt für alle.

11 Kommentare

  • Es gibt Tiere die ohne Hierarchie leben zum beispiel der Dachs den kann man prügeln. Der wehrt sich bis zum Tod aber unterwirft sich nicht

  • Die Zeit des Helden als Führungsfigur ist endgültig vorbei. Wir Chefs haben uns in der Vergangenheit leider viel zu oft geirrt, als dass uns Charisma, Nebelkerzen oder die Sozialtechniken der Manipulation noch viel nützten. Die Weisheit der vielen siegt über kurz oder lang über die Entscheidungskompetenz des Einzelnen. Gute Chefs sind in Zukunft vor allem eines: gute Moderatoren von interdisziplinären und in sich diversen Teams. Sie unterstützen und coachen. Und sie sorgen durch Moderationstechnik dafür, dass sich Entscheidungsprozesse nicht endlos hinziehen. Sie ernten Ergebnisse, die sie als Teamleistung erkennen und anerkennen. Inhaltlich haben sie aber gelernt, sich zurückzuhalten.

  • Hallo Marek,

    danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich bin zwar kein Theologe, aber ich versuche so gut wie möglich den katholischen Standpunkt zu formulieren.

    Das vor Gott alle Menschen gleich sind heißt nicht, dass alle Menschen in ihrer sozialen Stellung gleich sind. Ich bin nicht gleichgestellt mit Frau Merkel als Bundeskanzlerin. Das Kind ist nicht gleichgestellt mit seinen Eltern. Mann und Frau sind untereinander nicht gleich. Der Arme ist nicht gleich mit dem Firmenchef.
    Es ist also die gottgewollte Ungleichheit in der Gleichheit. Alles am richtigen Platz, aber nichts am gleichen Fleck.

    Ja, es gibt Armut und ja es gibt Reichtum. Aber für die katholische Kirche war es immer ein Anliegen, dass der, der viel Besitzt den Armen von seinem Besitz abgibt. Es wurden im Mittelalter Leute die Sterbesakramente verweigert, die Geld geliehen und Zins (Wucher) genommen haben. Da sie gläubig waren, gaben sie das Geld zurück.
    Der heilige Aloysius z.B. hat sich Tag und Nacht Gedanken gemacht, wie er sein Reichtum loswerden konnte. Er verzichtete auf seinen Besitz, ging zu den Jesuiten nach Rom, las einen Pestkranken von der Straße auf, pflegt ihn und starb anschließend selbst an der Pest. Ein solches Verhalten setzt einen tiefen katholischen Glauben und starken Willen voraus.

    „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich – aber wehe euch ihr Reichen und Satten, ihr werdet hungern“ Es ist kein Problem Land zu besitzen, es gut zu verwalten, Risiken einzugehen, Menschen Arbeit zu geben, den Zehnten in die Armenkasse zu packen und trotzdem gut zu leben. Die Gier und Maßlosigkeit unserer Tage hat es im Mittelalter nie gegeben. Den unverschämten Reichtum durch Zinsgewinne hat es früher nie gegeben. Auch die Gier der „kleinen“ Leute ist ein Krebsgeschwür unserer Zeit. Alle wollen nur noch raffen und bequem leben – wie Könige.

    Wann ist man arm, wann ist man reich? Reich ist der, der wenig braucht. Das kann auch ein Bettler sein. Arm ist der, der viel braucht. Das kann auch ein Millionär sein.

    Zu weiteren Fragen:
    Die heilige römisch katholische apostolische Kirche ist die von Gott gewollte. Sie hat den absoluten Anspruch, besitzt die absolute Wahrheit. Die Kirche ist rein und ohne Tadel. Leider sin es die schwachen Menschen, leider auch viele Geistliche, die teils schweres Fehlverhalten erzeugen. Dieses Fehlverhalten auf die Kirche zu übertragen ist aber falsch.

    Ein System was mir recht gut gefällt, war das Feudalsystem des Mittelalters in Europa. Es gab viele Freiheiten, sehr geringe Steuern, einen festen katholischen Glauben, größere Fröhligkeit, etc. Das finstere Mittelalter, wie uns immer noch erzählt wird, ist eine Lüge. Wie wären sonst solche fantastisch schönen Kirchenbauten, die Entwicklung des Universitätssystems, des internationalen Rechts, der Krankenhäuser möglich gewesen? In einer Zeit der Finsternis? Niemals. Es ist eine Eigenschaft der Freimaurerei, des Sozialismus den Katholizismus bei seinen Errungenschaften kleinzureden und bei Fehlverhalten der Geistlichen maßlos zu übertreiben. Die Finsternis ist das unsere Jahrhundert, nicht das Mittelalter.

    Nein, die Welt ist nicht geordnet und wird es auch werden, so lang es Menschen gibt, die den Götzen Geld, Besitz und Macht anbeten.

    Die Menschen glauben immer irgendetwas. Sei es, dass sie immer für Geld etwas kaufen können, das mehr Geld ein besseres Leben bedeutet, in der Presse von Wahrheit berichtet wird, Willy Brand eine bedeutende Person war, das wir in einem freien und souveränen Land leben. An solche Dinge (Märchen) glauben die Menschen, aber mit dem übernatürlichen (Gott), mit der Wahrheit (kath. Kirche) kann die breite Masse kaum etwas anfangen. Wie Pferde fressen und saufen sie, lassen sich von anderen an der Leine dahin führen, wo sie gelenkt werden.

    Deshalb hat es Gott auf den Einzelnen abgesehen und nicht aufs Kollektiv.

    @Hans Hass

    Ja, daran glaube ich. Der Papst wurde leider entthront, es ist ein Jammer. Der Sozialismus ist schon fest in den Köpfen der Masse drin. Es gibt ein paar die sich noch weigern. Deine Annahme über meinen Beruf ist leider falsch. Aber das ist nebensächlich.

  • Schaffen wir die Hierarchien ab, landen wir in der Anarchie, im Chaos!

    Aus katholischer Sicht ist folgendes anzumerken: Vor Gott sind alle Menschen gleich. Ein Firmenchef ist nicht mehr oder weniger Wert als die Hausfrau und Mutter – vor Gott. Aber im Sinne Gottes war es nie alle Menschen gleich zu machen. Jeder gehört an eine Stelle, denn der liebe Gott ist ein Gott der Ordnung, und nicht alle können an der gleichen Stelle stehen.
    Ich als Arbeiter, bin eben nicht der Firmenchef. Er entscheidet, ich führe die Arbeit in seinem Interesse aus. Er hat für den gerechten Lohn und würdige Bedingungen zu sorgen. Ich verweigere ihm nicht, aufgrund überzogener Forderungen, meine Arbeitskraft.

    Ich plädiere daher für den Erhalt der Hierarchien. Es wäre schlimm, wenn es z.B. keinen Papst mehr gäbe, sondern nur noch dumpfe kollektivistische Masse, wo sich am Ende doch ein jeder selbst auf den Thron setzen will.

    Da das Wort Gemeinschaft hier gefallen ist: Hier wurde Gemeinschaft im kollektivistischem Sinn beschrieben. Das Kollektiv ist aber ein Bestandteil des Sozialismus. Und Sozialismus ist nichts anderes als Hochmut und Barbarei.

    • Hallo Enrico,

      Mensch, da hast ja einen echten Rundumschlag gemacht. 🙂 Ich will versuchen, darauf angemessen einzugehen – das heißt, die Anschuldigungen lasse ich erst einmal beiseite, denn Du beginnst ja auch mit dem lieben Gott.

      Die Idee eines lieben Gottes finde ich sehr attraktiv, denn sie impliziert ja, dass allem Leben ein höherer Sinn zugrunde liegt. Womöglich also auch dem Chaos? Hier haben wir ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es ist wie Du sagst… 1. Vor Gott sind alle gleich, aber auf Erden gilt das nicht so sehr; sind manche Menschen dazu bestimmt „nieder“ zu sein und andere „höher“. mal abseits einer solchen Sichtweise fragt sich doch gleich, was hier der Vergleich Firmenchef zu Hausfrau besagt.

      Aber nehmen wir mal einen Fall, der jetzt nicht so sehr das Frauenbild in der Gesellschaft zum Inhalt hat und sagen, dass bei dieser Sicht auf der einen Seite ein wohlhabender Mensch steht, auf der anderen ein Mensch der Armut leiden muss. Dann ist dies nun so gottgewollt? Oder aber ist dies gegen Gottes Willen? Also: Haben wir Menschen die Verpflichtung auf Erden einem armen Menschen die gleichen Rechte zu gewähren wie einem Reichen? Oder fragen wir einmal nur – dann klingt das nicht so „kollektivistisch“ – welche Verpflichtung resultiert aus einer privilegierten Situation. Wie weit geht diese? Ist der Mensch (bis zur Selbstaufgabe) moralisch verpflichtet, anderen Mensch (den Besitzlosen, Darbenden, Schwachen) mit allem was er hat (!) zu helfen. Wäre das auch aus dem Bild der Gleichnis abzuleiten?

      Oder sagen wir uns einfach, im Himmel wird er schon sein Recht auf Gleichheit erfahren. Hier unten hat er sich mit dem zu begnügen, was Gott ihm zugedacht hat? Dann allerdings würden wir (und so klingt Dein Argument) uns von der irdischen Verantwortung frei machen.

      Es gibt ja dieses schöne Gedankenspiel, dass man erst dann anderen helfen solle, wenn es einem selbst gut gehe.

      Möglichkeit 2 wäre: Das Konstrukt ist anders und es ist eine Art Prüfung. Gott gibt uns die Freiheit geizig zu sein, egoistisch, verächtlich, herzlos… und schaut, was wir daraus machen. Ob wir diese Möglichkeit wahrnehmen, oder aber, ob wir das Prinzip himmlischer Gerechtigkeit auf Erden imitieren. Vielleicht sogar werden wir an dem Grad unserer Güte und unseres Mitgefühls gemessen. Und dieses kann rein logisch dann nicht einschließen, dass wir Menschen gegenüber denen die auf Erden leiden müssen eine so stoische Haltung einnehmen.

      Hat Papst Franziskus nicht unlängst gesagt, dass wir verlernt hätten, über das Leid der Welt zu weinen? Ungeachtet der Frage, wie groß der Anteil der Kirchen an diesem ist, kann man aus den Worten doch ablesen, das Mitgefühl eine, zumindest hoch gehaltene, Eigenschaft der Christenheit ist. In diesem Licht erscheint das Prinzip der irdischen Hierarchien nur dann eben schlecht standzuhalten.

      Aus christlicher Sicht ergibt sich natürlich ein Widerspruch. Aber dieser kann aufgelöst werden, je dichter man sich an urchristlichen Prinzipien orientiert.

      Zu dem Zerrbild einer „kollektivistischen Masse“, welche man ja auch als „solidarische Gesellschaft“ sehen könnte, gibt es eigentlich wenig zu sagen. Natürlich ist Solidarität nicht sozialistisch. Denn: Bisher gibt/gab es eben noch kein Gesellschaftssystem, welches wirklich bis in den Grund hinein solidarisch ist/war. Was wiederum an der Natur des Menschen liegt, der dazu neigt, vermeintliche Stärke in gesellschaftliche Hierarchien zu übersetzen. Doch eben diese führen dazu, dass er an irgendeiner Stelle vom nächst Stärkeren übervorteilt wird.

      Und genau dieses Prinzip führt zu Anarchie und Chaos. Nicht die Gleichheit, sondern das Spiel der ungebremsten Kräfte. Oder würdest Du die Welt derzeit wirklich als geordnet empfinden?

      Viele Grüße,
      Marek

    • Enrico, das glaubst Du wirklich? Wenn es keinen Papst gäben würde, dann würde die Welt in Chaos und Sozialismus versinken? Dann hoffe ich mal, dass Du irgendwo ein einen Job ohne Verantwortung für andere Menschen ausführst und Dich mit Deiner Gott gegebene Rolle abfindest.

  • Hauptsache wir kriegen irgendwann die Kurve. Schon jetzt glauben ganz viele nicht mehr daran. Aber wenn sie nicht dran glauben, passiert nix. Hier in Deutschland schlafen alle noch.

  • Hierarchien, Konkurrenz, Macht und Gier zerstören alle unsere Lebensgrundlagen. Wer soll sie beseitigen wenn alle mitmachen?

    • @ Hans Hass… es ist ja immer die Frage, ob es nun Henne oder Ei sei, womit alles begonnen habe. Man kann sich die Frage auch in Bezug auf Strukturen stellen.

      Haben uns die Strukturen so werden lassen, oder haben wir genau die Strukturen gebildet die unserem Naturell entsprechen?

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