Revolution und dann?

Gestern sind wir gut bildungsbürgerlich ins Theater gegangen. Eigentlich verfolgt mich schon seit Jahren das dumpfe Gefühl, dass das Theater heutzutage mehr oder weniger seine gesellschaftliche Bedeutung verloren hat. Doch gestern war alles anders.

Wir sahen im Hamburger Schauspielhaus „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“, inszeniert von Peter Loesch. Die Inszenierung hat bereits viel Aufsehen erregt und es damit auch bis ins Medienmagazin ZAPP geschafft (siehe hier). Aufsehen erregt hat es vor allem, weil dort Hartz-IV-Empfänger die Namen der zehn reichsten Hamburger vorlesen.

Und auch wenn es mir in der Tat gut gefallen hat, dass hier die Verständigung über die sozial-gesellschaftlichen Barrieren hinweg voran getrieben wurde, so hat mich das Stück doch vor allem deshalb beschäftigt, weil es der Frage nachgeht (und das war auch das ursprüngliche Anliegen des Stücke-Autors Peter Weiß), inwieweit die Menschheit dazu lernen kann? Inwiefern Revolutionen – ob nun friedlich oder nicht – tatsächlich in eine bessere Welt führen (können)? Oder ob sie nur der Auftakt für vergleichbare Machtstrukturen und Unterdrückungen sind – eben nur unter anderen Vorzeichen?

Folgt man Peter Loesch, so sind wir wohl kaum voran gekommen. Früher waren es eben die Sans-Sculotten, heute sind es die Hartz-IV-Empfänger, die rechtlos, besitzlos und ausgegrenzt ihr Dasein fristen. Früher waren es die aristokratischen Monarchen, die mit gewalttätigen Mitteln die Menge knechteten – heute übernehmen Konsumzwang, Wellness-Programme und Pseudo-Almosen die Unterdrückung per Ablenkung von den eigentlichen Missständen, den wirklichen Träumen und Wünschen der Menschen.

Im Stück zieht der Individualist Marquis de Sade seine Schlussfolgerung daraus: Die Menschheit sei unverbesserlich, er werde deshalb zusehen, dass er seine Schäfchen ins Trockene bringt. Dessen „Gegenspieler“ Marat sieht zwar, wie „seine“ Revolution immer mehr in weitere Unterdrückung und Gewalt abrutscht – und kann dennoch die Hoffnung in die Menschheit nicht aufgeben. Ob als Lenin, Fidel Castro oder Hippie – immer wieder nimmt er von neuem Anlauf… und scheitert.

Gene Sharp befasst sich in seinem Buch „Von der Diktatur zur Demokratie“ zwar nicht mit genau diesem Thema – aber mit der Frage, welche Strategien am erfolgversprechendsten gelten, um demokratische Strukturen durchzusetzen – also quasi eine Revolution durchzuführen, die nicht zu wieder neuen, ungerechten Machtstrukturen führt, sondern zu einer wahrhaften Verteilung von Macht an das Volk.

Er geht in seinem Buch davon aus, dass allein friedlicher, politischer Widerstand dazu führen kann – und nicht Gewalt noch Verhandlungen. Denn Diktaturen (aber eigentlich natürlich auch alle anderen Staatsformen, selbst unsere so genannte Demokratie hier in Deutschland) können nur bestehen, solange die Menschen:

  • Davon überzeugt sind, dass das Regime legitim ist (bspw. durch eine bestimmte Ideologie)
  • in ausreichender Anzahl kooperieren und gehorchen (bspw. durch Gewalt und Unterdrückung)
  • die Sanktionen aufgrund von Ungehorsam mehr fürchten als das Regime
  • und das Regime Zugang zu genug materiellen Ressourcen hat (Geld, Bodenschätze, Kommunikations- und Transportmittel etc.)

Sobald diese Grundlagen entzogen sind, wanken sie. Doch diese Macht sei den wenigsten Menschen (Bevölkerungen) wirklich bewusst.  Genau das macht sie eben auch so schwach: Die Mehrheit der Menschen traut sich entweder einen erfolgreichen Widerstand nicht zu (im Falle, das ein Regime unerträglich scheint) oder hat keine Lust dazu, weil es unbequem wird (im dem Fall, dass die Missstände in einer Gesellschaft nicht einen selbst betreffen). Daran ändert anscheinend auch das Internet nichts – auch wenn es mit seiner neuen weltweiten Vernetzung für neue Formen des Aktivismus sorgt (mehr dazu in einem Vortrag, den wir bei der Jahrestagung des FIfF gehalten haben sowie in einem Video des elektrischen Reporters).

Ein weiterer Gedanke, der im Theaterstück zu Denken gab: Eine Revolution ist nicht zwangsläufig das Ergebnis einer Philosophie, eines Staatskonzeptes, eines theoretischen Überbaus, sondern eine Reaktion der Bevölkerung auf ihre Unterdrückung, die so immens auf sie wirkt, dass ihr kaum Luft zum Atmen bleibt. Auch wenn diese Bestrebungen dann politisch vereinnahmt werden. Jede Wandlung, die einer Theorie entspringt, trägt immer den Keim des Scheiterns in sich – genau genommen scheitert sie an ihrer Diskrepanz zur Realität. Und so fragt man sich heute, in Zeiten wachsenden Unmuts, welche Utopien es gälte umzusetzen.

Man fragt sich, was danach kommen sollte, wenn der Mensch sich selbst nicht ändert. Wenn man in die Geschichte schaut, zum Beispiel auf die Französische Revolution, welche der Welt Napoleon bescherte; oder die Russische Revolution, die Stalin den Weg ebnete, oder aber die Kulturrevolution in China, die Mao Zedong Macht festigen sollte… wer also die Gesellschaft wirklich ändern und in eine bessere wandeln will, kommt ohne einen Gedanken an die ureigenste, menschliche Natur nicht aus. Das Unsoziale in uns gilt es zu überwinden, denn erst dann haben Systeme der Unterdrückung keine Chance mehr.

Das mag die verzweifeln lassen, die sich mit unserer Gesellschaft etwas genauer auseinandersetzen– von Gen-Mais über Kinderarmut bis hin zu Entwicklungspolitik mit den diversen Ungerechtigkeiten beschäftigen, die es in Deutschland und der ganzen Welt gibt – und sich wünschen, man könnte etwas dagegen tun… irgendwie zu einer besseren Welt gelangen. Doch es bleibt wohl so, wie uns der Theologe und Psychologe Eugen Drewermann in einem Gespräch sagte: Man kann sich nicht für eine bessere Welt einsetzen, weil dafür eine Belohnung (bspw. in Form von Erfolg) aussteht. Man kann sich nur für sie engagieren, weil es einem ein inneres Bedürfnis ist.

ilona

ist freie Jour­na­lis­tin, Publizistin, Projekt­ma­che­rin und Medienaktivistin. Seit über zehn Jahren schreibt sie Bücher, Blogposts, macht Podcasts, gibt Workshops und hält Vorträge. Zudem begleitet und berät sie öko-soziale Organisationen, Gemeinschaften, Künstler:innen, Kreative und Aktivist:innen bei der ganzheitlichen und nachhaltigen Planung und Kommunikation ihrer Projekte und Bücher.

13 Kommentare

  • Hallo Anonymous, Du wirst ab sofort Spam-Minister bei uns. 😉

    Auf jeden Fall bekommst Du unsere Anerkennung für Deinen Einsatz!!
    *doppel räusper*

    Kommentar ist aber jetzt raus.

    Danke!

  • Liebe Heidi, vielen Dank für Deinen Nachtrag! Zunächst einmal: Ich bewundere Dich für Deine Ausdauer und dafür, dass Du Dich nicht klein kriegen lässt. Sicherlich wirst Du damit auch viele Menschen motivieren, die Deinen Kommentar lesen. Und: ich kann dieses Ohnmachtsgefühl so gut verstehen! Man stößt doch immer wieder gegen Wände, merkt dass das, was man für den Ausweg hielt, nur Mitmache ist. Ja, ich frage mich immer wieder, ob es denn überhaupt „ein richtiges Leben im Falschen“ gibt. Ich hoffe es. und ich hoffe, dass es wirklich so ist, wie Du schreibst: Dass es immer mehr Menschen gibt, die auch danach suchen. Denn vielleicht, wenn die kritische Masse erreicht ist, dann gibt es noch viel mehr Alternativen, als wir uns jetzt und heute vorzustellen wagen. Alles Liebe, Ilona

  • Hallo Heidi,

    ich glaube gar nicht mal, dass ein Blatt durch kritische Texte alle Chancen auf Anzeigen verliert – im Gegenteil. Schließlich wächst auch die soziale Verantwortung von Unternehmen und da kann es gut sein, denen ein inhaltlich anders ausgerichtetes Werbeumfeld zu bieten. Wenn man es gut macht, dann muss es kein Widerspruch sein, auch wenn man vielleicht manche Unternehmen nicht gewinnt – aber das wäre vielleicht ohnehin nicht der Fall gewesen. Wichtig ist doch, dass die Beiträge sich an die Leser wenden und sie dort abholt, wo sie sich emotional befinden. PR-Texten des Vorrang zu geben erscheint da nur im ersten Moment sinnvoll, und das auch nur für Publikationen die als reine Geldmaschine funktionieren sollen. Die Leser wollen aber kein reines Verkaufsblatt, sondern Inhalte die sich an sie, an ihre Gefühle, Sorgen und Visionen wenden.

    Ob man in einer „normalen“ politischen Struktur, in einem politischen Amt, wirklich etwas ändern kann, das wage ich allerdings zu bezweifeln. Es scheint alles darauf ausgerichtet zu sein, dass nur der hoch kommt, der bereit ist, sich einer Agenda unterzuordnen und diese auf keinen Fall durch Alleingänge gefährdet. Vielleicht ist es in der Regionalpolitik nicht so stark zu spüren, aber auch dort gibt es ein Korsett, eine Vorgabe und Direktive von „oben“.

    Ich halte es für das Beste, dass man sich auf eine Zeit einstellt, in der diese politische Struktur nicht mehr funktioniert. Bei genauerer Betrachtung ist dies ja schon einige Jahre der Fall, doch offensichtlich wird es wohl erst, wenn die allgemeine Lage noch chaotischer wird – und das wird sie, wenn man sich mal die aktuellen „Beschlüsse“ des G20-Gipfels ansieht. Denn dann sind Menschen gefragt, die in der größten Not wie Leuchttürme einen Ausweg zeigen. Menschen die sich dafür einsetzen, dass man nicht kopflos agiert und sich die Gewalt immer weiter anheizt.

    Ich hoffe so sehr auf diese Menschen, denn im Moment nehme ich fast nur Stimmen wahr, die ihrer Wut Luft machen und sich ideologisch einschießen. Leider sind es viel zu wenig, die das verkörpern was wir derzeit viel mehr benötigen: Weitsichtigkeit, Gerechtigkeit und Solidarität – auch den Verursachern und Heißspornen gegenüber. Denn wenn wir es nicht schaffen, diese Eigenschaften zu verbindlichen Säulen der „neuen Welt“ (für alle) zu machen, dann werden sie im Getummel der Geschichte zuallererst verloren gehen.

    Ich bin mir sicher, dass es diese Menschen gibt, doch habe ich auch den Eindruck, dass sie viel zu geduldig und zurückhaltend sind; sich vielleicht des Ernstes der Lage noch nicht bewusst werden wollen.

    Also, mach auf jeden Fall weiter, solange Du es in Dir spürst und dem Drang etwas anderes zu wollen folgen kannst. Und vor allem: Suche Dir Gleichgesinnte, verbünde Dich und sorge so auch für ein Gefühl der Gemeinschaft. Die Zeit die uns bevor steht braucht das redliche Bemühen um etwas Neues und Besseres. Reine Opposition wird nicht ausreichen – ist meine Erfahrung – denn die Menschen wollen Hoffnung und brauchen einen Blick auf mögliche Auswege. Zumindest mir geht es so.

    Viele Grüße,
    Marek

  • Hallo Marek,

    danke für den ausführlichen Kommentar zu meiner – ich gebe es ja zu – leider viel zu sehr „aus dem Bauch heraus“ und leider auch viel zu spontan gegeben Antwort auf Ihren Artikel.

    Ja so geht es halt, wenn man im „Netz“ liest, daneben die Tagespresse überfliegt, sich Bundestagsdebatten ansieht – und am Ende ratlos, ja auch fatalistisch und mit einer stummen Wut im Bauch über soviel Ignoranz und Volksverdummung zurückbleibt.

    Ein Jahr lang hatte ich (mir ist bis heute noch nicht klar, wie das so lange gutgehen konnte), ein Jahr lang jedenfalls hatte ich die Möglichkeit 52 Wochen lang als eigenverantwortliche Redakteurin ein Anzeigenblatt zu gestalten. Der Mensch, der mich dazu gemacht hat, glaubte (wie ich anfangs auch), dass man mit kritischen Themen diesem Blatt eine besondere Note verleihen könnte.

    Im Nachinein ist das natürlich schizophren – weil das Teil ja auch nur zur Ankurbelung von noch mehr Anzeigen und damit zu noch mehr Konsum führen sollte. Ich, in meiner Einfalt, empfand es aber als günstige Gelegenheit auf Dinge, die mir „aufstoßen“ hinzuweisen – ob Monokultur und Insektizideinsatz in der hießigen Landwirtschaft, das Spiel mit dem Verbraucherschutz oder die mangelnde Sorgfalt bei Bildung und Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche – an jedem Wochenende wollte ich die Leute zum Nachdenken anregen.

    Was mir anscheinend auch gelungen ist, denn das Interesse wuchs (Leserbriefe, Emails etc. stiegen von Woche zu Woche). Allerdings, was so harmlos begann (der Geschäftsstellenleiter beschränkte sich in seiner Blattkritik „nur“ auf Minimalismen – mal ein zu kleines Foto oder ein Fehler beim Satz – die Inhalte bemängelte er nicht. Im Gegenteil, er spornte mich sogar noch an, auch die Tagespolitik in der Provinz zu beleuchten. Habe ich natürlich liebend gern getan – die Anregung direkte Demokratie zu leben, zeigte Früchte und hob die Wahlbeteiligung bei einer Abwahl eines Stadtoberhauptes – und das wars dann auch.

    Der Geschäftsstellenleiter wurde abgelöst, der Chefredakteur des Verlages verordnete striktes Verbot der Veröffentlichung irgendeines selbst recherchierten Textes („In Zukunft nur noch Pressemitteilungen und wohlmeinende PR-Texte für Kunden!“), das neue Layout war out; was mir blieb war nur der Satz. Dazu kamen dann die üblichen Konzentrationen – eine festangestellte Mitarbeiterin kann nun zwei Ausgaben locker allein erledigen, sie bracht ja nur die „Dingens“ ins Layout zu klatschen.

    Und ich? Ich bin immer noch froh über die vorher nicht geahnte Chance Themen zu setzen – allerdings, mit PR-Journalismus will ich nichts mehr zu tun haben.

    Also verlegte ich mich auf das Schreiben von Kurzgeschichten, die den hiesigen Alltag beschreiben – und – da ich ein „Kind“ der DDR bin – auch auf Vergleiche des alltäglichen Lebens damals und heute im Zusammenhang mit dem Leben in Zukunft. Ich muss also auf die Leute zugehen, ihnen zuhören, nachfragen – und meine Schlüsse ziehen.

    Naja, und da ist es halt wieder – dieses Gefühl der Ohnmacht – „Welche Sprache spreche ich? Verstehen, die Menschen mich – und vor allem – bin ich in der Lage deren Intensionen zu verstehen? Wie schaffen wir den Konsens?“

    Vor zehn Jahren beendete ich meinen ersten sechsjährigen „Ausflug“ in die Kommunalpolitik (Bürgermeisterin und Amtsvorsteherin – alles im Ehrenamt). Mein Fazit damals: „Ich kann und will mit korrupten Germeindevertretern und verbeamteten Nullen nicht arbeiten.“ Ich wollte nie wieder behelligt werden von Menschen, die, weil sie nicht betroffen sind, sich auch um nichts scheren.

    Bis gestern war ich felsenfest davon überzeugt. Doch heute? Es tut sich was – auch hier in der ländlichen Provinz!
    Mehr und mehr Menschen sind „betroffen“. Sie wollen sich einmischen, wollen rigide Verwaltungsvorschriften nicht mehr klaglos hinnehmen, sie fordern Gerechtigkeit – und baten mich um Unterstützung.

    Obwohl ich mir nicht sicher bin, dass Erfolg kommt und auch weil ich heute weiß, dass immens viel Kleinarbeit nötig wird, ich werde mich darauf einlassen. Schon um meine stumme und ohnmächtige Wut zu besänftigen.

    Viele Grüße Heidi

  • Hallo Jens,

    danke für die Blumen. Ja, …wenn es nach mir ginge, so wäre auf der Stelle Schluss mit der „Vergötterung“ des goldenen Kalbes. Ich finde gänzlich verschroben und verschoben, wenn wir als Gesellschaft Menschen deswegen feiern, weil sie viel Geld angehäuft haben oder sich darauf verstehen, wie man die größten Profite heraus holen kann. Denn das geschieht in fast allen Fällen nur zu Lasten der Mitarbeiter (Entlassungen, Lohnkürzungen etc.), der Kunden (höhere Preise) und der Gesellschaft (gnadenloser Wettbewerb, Verschuldung etc.).

    Dem gegenüber stehen die Menschen, die mit ihrer Arbeit etwas für die Gesellschaft tun und dafür lediglich Hungerlöhne bekommen – und nicht hoch angesehen sind. Wir haben die Erfurcht vor diesen Werten verloren. Wir machen genau die Falschen zu Helden und Vorbildern und erziehen auch unsere Kinder nach diesem Weltbild.

    Ich glaube ja, dass viel mehr Augen offen sind, als man im ersten Augenblick denken mag. Allein an Mut und Vertrauen auf die Zukunft fehlt es. Wie oft habe ich gehört, dass sich auch „kleine“ Handwerker, Händler etc. dachten, dass sie doch genauso lügen und betrügen dürfen, wie „die da oben“. Egoismus und Schamlosigkeit sind keine Privilegien der Reichen. Wenn dieser „kleine Mann“ nach oben käme und die Möglichkeiten bekäme, dann würde er sich wohl genauso aufführen, wie diejenigen auf die er heute schimpft. Genau das macht auch die Frage so entscheidend, wer nach einem möglich Umgestaltungsprozess das Ruder in die Hand nehmen sollte.

    Das Dumme ist, dass es eigentlich noch nie ein System gab, dass wirklich fair war. Ganz gleich, wie gerecht es in der Theorie war, es gab – wie bei George Orwells Farm der Tiere – immer welche, die zwar postulierten „Alle sind gleich“, aber dabei für sich dachten, sie selbst seien nun mal „noch gleicher“…

    Ja, ich wünsche mir auch mehr Intelligenz. Wobei ich gewiss kein Maßstab bin, da ich wie alle anderen oft genauso hadere, wenn es um eine positive Vision geht. Dennoch bleiben uns gar keine Alternativen und deshalb werden wir hier weiter versuchen, nicht nur das Gute im Menschen zu sehen, sondern es auch fördern und eine große Allianz unterstützen, die bereit ist, sich über Kleinlichkeiten und Ideologien hinweg endlich um die Lösung der Probleme zu kümmern. Aus dieser Allianz müssen Köpfe hervor gehen die bereit sind zu einen, wo andere entzweien. Die Mut machen, wo andere Furcht verbreiten und die in der Lage sind, „eine Welt danach“ mit aufzubauen.

    Nur schnell muss es gehen!

    Viele Grüße,
    Marek

  • Marek, deine Ideale und Ziele sprechen mir aus dem Herzen. Ich kann es nur nicht so geschickt formulieren. Du suchst nach einer Lösung und hast sie doch schon gefunden.
    In meinem ganzen bisherigen Leben habe ich mir immer den Menschen angesehen und nicht seine Besitztümer. Ich habe mich oft gewundert wie mache Mitmenschen vor offensichtlich „Reicheren“ den Bückling gemacht haben. Ich kenne Menschen die von Harz4 leben und welche die 3 Porsches in der Garage haben. Richtig „Glücklich“ sind sie aber alle nicht.

    Es wird einen Umbruch geben. Aber auch Du kannst die Reifen nicht bei voller Fahrt wechseln. Ich versuche mir vorzustellen wie die Zukunft aussehen wird und suche nach Paralellen zur ehem. DDR. Nur gibt es jetzt keine andere Seite auf der es vermeindlich „besser“ läuft.
    Zur Zeit ist das wichtigste, genau dass, was du jetzt hier machst. den Leuten die Augen öffnen!
    Für Veränderungen ist es noch zu früh, da die Masse der Bevölkerung noch gar nicht begriffen hat wo die Probleme eigentlich liegen.

    Ich wünsche mir intelegente Mitmenschen und eine friedliche Abkehr vom Zinssystem.

  • Was aus Wut wird, sehen wir. Streit. Hass. Kriege. Es ist gut empört zu sein und etwas tun zu wolln. Es ist aber noch viel besser Menschen Mut zu machen – und Hoffnung auf bessere Zeiten. Sonst werden sie nicht hinterm Ofen hervor kommen. Wenn das niemand übernimmt, dann kommen die Rattenfänger. Guckt in die Geschichtsbücher! Guckt ins TV.

  • Vielleicht würde es – nicht nur hier in der Diskussion – gar nicht schaden, mal Für und Wider gegenüber zu stellen. Auf der einen Seite alle Maßnahmen, die man umsetzen kann, um sich „frecher“ zu Wehr zu setzen, nebst den Konsequenzen und Möglichkeiten die daraus erwachsen. Auf der anderen Seite die Mutmach-Maßnahmen. Dann kann man mal konkret darüber reden. Ansonsten bleibt ja alles eher nur schwammig.

    Also: Schuldige anklagen, Missetaten aufklären, Demonstrieren, Boykotte, Verweigerung … auf der einen und Vorbilder nenen, Mumachen, Partizipieren, Gemeinsame Grundlagen finden auf der anderen. So (oder ähnlich) käme man schon weiter. Denn sonst dreht man sich nur im Kreis.

    Und mich würde es auch interessieren. Ich führe oft Unterhaltungen, die dan alle nicht weiter kommen, da es dann irgendwann nur noch um das „aber Du…“ geht und nicht mehr um Praktikabilitäten.

    Nibiru

  • Heidi: “Das Unsoziale in uns gilt es zu überwinden, denn erst dann haben Systeme der Unterdrückung keine Chance mehr.” – In uns? Glaubt Ihr dass Kapitalist und Banker weg vom Besitz hin zum empathischen Mitmenschen mutieren?

    Vielleicht geht es hier mehr darum, dass die meisten von uns genauso unsozial sind wie „die Großen“, über die wir uns beschweren? Wir haben nur nicht so viel Macht. Sind wir empathisch? Halten wir zusammen? Wir spielen fast alle mit und lassen uns korrumpieren.

    Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass der „kleine Mann“ ein guter ist und „die da oben“, die bösen, oder?
    So einfach ist die Welt nicht: Sperrt alle Bösen ins Gefängnis und lebt dann wie im Paradies, das ist naiv.

    Eine Diktatur hat nur eine Chance, wenn sie vom Volk getragen wird.

    Check out

  • Holla, hier geht es ja zur Sache. Gut, dass Ihr diese Fragen stellt: Was bringt Mut machen, was bringt Wut machen? Toll. Ich hoffe, dass die Diskussion noch weiter geht. Denn diese Frage ist auch für mich im Moment auch die Wichtigste.

    Ich glaube, dass es ohne Wut nicht geht. Doch sie ist schwer kontrollierbar. Man muss aufpassen, dass man nicht mehr zerstört als man wollte. Das der Staat Vorteile hat, wenn die Revolte kommt ist ja logisch. Dann kann er endlich alle einsperren, die ihn kritisieren. Ein gefährlich heißes Eisen also. Mut machen und Alternativen zeigen halte ich deshalb für genauso wichtig. Denn ich sehe weit und breit noch keine Alternative. Es wäre einfacher, wenn es nur ein Böse gäbe, aber fast alle machen ja mit, haben immer mit gemacht und wollen noch mitmachen.

    Hauptsache die Menschen einigen sich und halten zusammen, denn wenn alle zerstritten sind, dann sind sie leichte Beute. Es lohnt also, über Strategien nachzudenken.

    Michael

  • Hallo Heidi,

    Du hast wohl Recht wenn Du schreibst, dass man von diesen Politikern keine Umkehr erwarten kann (zumindest keine ehrliche).

    Wir hatten in den letzten Monaten viele Diskussionen, bei denen es genau um diese beiden Positionen ging: a) Deine: Sich „aggressiver“ zu verhalten, sich zu wehren und ungehorsam sein, oder b) Unsere: Mut zu machen, zu unterstützen und das Positive zu stärken. Sicher hat die radikaler agierende Fraktion durchaus Recht, wenn man es als einen emotionalen Reflex sieht: Man ärgert sich, fühlt sich unterdrückt und betrogen und wehrt sich mit steigender Aggressivität. Natürlich. Doch wenn dann die Frage aufkam, was dieses in der Konsequenz nun heißen soll, dann kam meist lediglich der Vorschlag zu Informieren, auf die Straße zu gehen oder sich zu verweigern und Sand im Getriebe zu sein. Hmmm. Du sprichst selbst von den längst verknüpften „Abwehrkräften“. Glaubst Du wirklich, diese sind auch nur auf eine dieser Maßnahmen nicht vorbereitet?

    Du deutest selbst Deine Vorschläge nur an. Ziviler Ungehorsam? Wie sähe der aus? Generalstreiks? Sabotage? Innerbetriebliche Anweisungen verweigern? Oder lieber demonstrieren? Auf dies Straße gehen und Transparente hoch schwingen? Ja sicher, dass ginge, …wenn es die Medien nicht gebe. Erinnerst Du Dich an irgendeine Demo, die nicht von den Medien „umgedreht“ wurde? Man schickt eine Reihe von „Zivilen“, die sich daneben benehmen, filmt sie und vermeldet dann, dass dies die Demonstranten seien. Klasse. Ganz nebenbei wandert Dein Konterfei gleich in die entsprechende Datei für den Zugriff – der dann ja, im Falle des Notstandes (schau in den Lissabon-Vertrag), möglich würde.

    Was bevorzugst Du? Wo bist Du nicht brav? Wenn ich die einschlägigen Blogs lese, die sich mit der kommenden Revolution beschäftigen, dann lese ich weder von zivilen Strategien, noch von irgend welchen Alternativen für die Zeit danach. Man kann sich revolutionär und unbrav geben, aber was steckt wirklich dahinter? Es heisst immer nur „man müsste was machen…“ Die meisten dieser Verfechter wären gewiss nicht bereit, hier auch ihre Jobs, ihren Wohlstand oder gar ihr Leben zu verlieren. Wut ja, aber Mut…

    Du schreibst von Fatalismus. Angesichts der – wie ich finde – unausgegorenen Strategien, der Angst in der Bevölkerung vor materiellen Verlusten und Repressalien, bliebe derzeit wenig mehr als die Wut nach. Sich allein mit dieser, ohne Konzept und ohne Überblick in die Schlacht zu schmeißen, erscheint mir fatalistisch. Nenne Deine Rezepte, sie interessieren mich wirklich.

    Was die Konsequenzen betrifft die Du vermisst: Da Du uns nicht kennst, weißt Du ja gar nicht, welche Art von Konsequenzen wir ziehen und was wir daraus machen. Dieser Blog heißt nicht „Haut ihnen auf die Fresse“, sondern „Für eine bessere Welt“. Du findest jede Menge Blogs, in denen sich Wütende gegenseitig Mut machen. Tatsächliche Konzepte finde ich nicht.

    Ein unangenehmes Gefühl – aha. Du willst also sagen, dass Du keinem Job nach gehst, aber dem Staat auch nicht auf der Tasche liegst, dass Du nicht konsumierst, ins Kino gehst oder sonst was in der Freizeit unternimmst? Du kaufst natürlich auch nur in Läden, die das System nicht festigen und zahlst dafür gern mehr, verschmähst große Ketten und verbringst Deine Zeit lieber, Dich nicht fatalistisch zu verhalten, sondern wirklich was zu ändern? Ist es so, dann schreibe auch, welche Deiner Aktivitäten wirklich etwas bringen. Ansonsten erzeugt Dein unangenehmes Gefühl den Eindruck, dass es auch Dir gar nicht um Lösungen geht, sondern lediglich um eine emotionale Verortung. Du möchtest lieber zu denen gehören, die sich radikaler geben, die das große Rad zum Stehen bringen wollen. Klasse, dann nenne Dein Rezept, denn damit kann man natürlich viel mehr anfangen, als mit Deinem Zeigefinger, der so scheint es nicht kürzer ist als unser.

    Vielleicht hast Du selbst schon mal daran gedacht, dass der von Dir vermisste Aktionismus – den Du ja sicher nicht nur bei uns einforderst – zur Zeit keine Massenveranstaltung ist, sondern sich auf ein paar Prozentpunkte in der Bevölkerung reduziert. Glaubst Du wirklich, Du kannst die Beteiligung mit Vorwürfen, mit Zeigefinger und Kritik erhöhen? Meine Erfahrung ist die, dass die meisten Angst haben und sich keinesfalls revolutionär fühlen, sondern lediglich verunsichert, ängstlich und leise. Bekommst Du diese auf Deine Seite, in dem Du sie dafür abwertest? Wenn Du mehr auf Deiner Seite willst, mehr Ungehorsam, mehr Konsequenzen, dann ist das gewiss nicht die beste Strategie hierfür. Und wenn Du einen Kniff hast, um Menschen zu überzeugen, dann nenne ihn.

    Der Staat freut sich über Menschen, die spalten. Ich habe das ein paar mal in den Blogs erwähnt, die sich hier allwissend geben und jeden abkanzeln, der nicht ihrer Meinung ist. Bis hin zu wüsten Beschimpfungen. „Teile und herrsche ist das Prinzip“. Diese Blogger haben selbst gespalten und wundern sich dann über die „doofe Bevölkerung“, die nicht mit zieht… Ein in sich zerstrittenes Volk, wird nicht den Hauch dessen umsetzen, was Du Dir wünscht.

    Nehmen wir an, Du hast Recht (und wahrscheinlich hast Du es mit der generellen Forderung ja auch) und es kommt zu einem Umsturz. Die Bevölkerung lässt sich alles nicht mehr länger gefallen und stürzt die Regierungen. Wer kommt dann auf den Thron und macht es besser? Die Blogger, die keine andere Meinung akzeptieren? Diejenigen die Gewalt als ein gutes Mittel betrachten? Schau Dir die Revolutionen der Geschichte an und dann siehe genauer hin, auf die Menschen die dann die Regierungen übernahmen. Wo sind diese besser? In Deutschland, in Russland, in Frankreich…? Ich glaube dass eine andere Strategie notwendig ist und ja, ich glaube auch, dass sich das gesamte System derzeit verändert und uns auf den Prüfstand stellt – jeden von uns. Wie gehen wir mir Gewalt und Unterdrückung um? Werden wir selbst gewalttätig und unterdrücken alle anderen? Beseitigen wir die vermeintlichen Feinde und sind dann alle gut? Diese Philosophie erscheint mir auch nicht gerade sehr Erfolg versprechend.

    Das von Dir keine Alternativen, keine Vorschläge, kein Ausblick, keine Hoffnung etc. ausgehen, finde ich noch viel braver. Ergiebiger wäre es, wenn dann etwas käme, was wirklich umsetzbar wäre. Es gibt einige, denen Revolten und Aufstände sehr gelegen kämen – sie rechnen auch damit und sind bestens gewappnet. Also, nenne Dein Rezept, denn dann ist eine Diskussion möglich. Ansonsten verschaffe Dir ein besseres Gefühl, indem Du Dich diesen Fragen nicht stellst. Nenne uns Deine Ideen, Deine Projekte und wir werden diese gern als Vorbilder zeigen. Mit Kritik und unbraven Verhalten wirst Du weder der CDU, noch der FDP etc., noch den Organisationen und Personen die sie lenken und steuern eine Gefahr. Um wirklich etwas zu ändern, wird mehr als Wut nötig sein. Diese führt lediglich ins Chaos.

    Viele Grüße,
    Marek

  • „Das Unsoziale in uns gilt es zu überwinden, denn erst dann haben Systeme der Unterdrückung keine Chance mehr.“ – In uns? Glaubt Ihr dass Kapitalist und Banker weg vom Besitz hin zum empathischen Mitmenschen mutieren?

    Ja toll, und genau das wird nicht funktionieren – oder glaubt Ihr, dass eine Angela Merkel samt CDU/CSU (ich bin dafür, dass die sich ohnehin sofort auflösen sollten) oder ein Guido Westerwelle (gilt auch für die FDP) plötzlich an Umkehr denken? Bloß weil ich jetzt mehr Empathie für die zwei hege?

    Irgendwie ist während des Lesens auf eurer website ein großes Unbehagen in mir:
    „Was wollen die eigentlich? Klar, die Analysen stimmen, aber die Konsequenzen? Wo bleiben die?

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier still und heimlich dem Fatalismus die Stange gehalten wird.
    Auch sind mir einige der Mitstreiter suspekt: Aktion-Mensch (inklusve gesellschafter.de) – wohl eher INSM zugehörig?

    „Man kann sich nur für sie (die bessere Welt) engagieren, weil es einem ein inneres Bedürfnis ist.“, meint Drewermann.
    Naja klar doch, aber warum verstärkt ihr nicht den Druck? Hier wird nur mit dem Zeigefinger gedroht. „Hallo Ihr Bösen, nun werdet endlich artig!“

    Tut mir leid, sicher der Ansatz ist gut gemeint (- und auch gut gemacht), aber mir ist es einfach zu wenig, in der Tendenz viel zu brav. Auch ziviler Ungehorsam sollte anders aussehen, zumal die gemeinsamen Abwehrkräfte – Polizei-Bundeswehr- schon längst flächendeckend verknüft sind.

    Trotzdem Dank für die nützlichen Informationen, vor allem in Sachen EU und Lissabon-Vertrag.

    Schöne Grüße
    H.

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